1. März 1880, Riga 10. März 1933, Löwenstein
Neben seiner beruflichen Tätigkeit
als Übersetzer, Theaterkritiker, Dichter und Schriftsteller, war Manfred Kyber
leidenschaftlicher Tierschützer und Vegetarier. Schon von Kindesbein an fühlte
er eine innige Verbundenheit mit der Natur und den Tieren, die über ein rein
verstandesmäßiges Interesse weit hinausging.
Aufgewachsen auf dem elterlichen Rittergut
Paltemal in Lettland (seinerzeit Livland), hatte er schon frühzeitig engen Kontakt mit Haus- und
Wildtieren in seiner großteils unberührten und ländlichen Kindes- und
Jugendheimat. Diese emotionale Verbundenheit drückt sich in den meisten Werken
Manfred Kybers aus. Neben den bekannten Tiergeschichten und Märchen, welche
viel Humor, Hintersinnigkeit und geistigen Tiefgang in sich tragen, verfasste
er auch kultur- und gesellschaftskritische Sachbücher, die jedoch weitaus
weniger bekannt wurden.
Eines dieser Sachbücher, welches
Manfred Kyber kurz vor seinem Tode verfasste, ist „Neues Menschentum –
Betrachtungen in zwölfter Stunde“. In diesem Manifest für die Dringlichkeit
einer grundlegenden Kulturwende, prangert er eine Vielzahl von Missständen in
Bezug auf Wirtschaft, Politik und Verwaltung an. Sein größtes Anliegen war
dabei der Tierschutz, die Abkehr von der Naturferne und die Notwendigkeit
eines Bekenntnisses zur geistigen Welt. Bis zu seinem Lebensende wurde er
nicht müde, vor den Gefahren und der Beschränktheit des gefühlskalten Materialismus
und des blinden Glaubens an die Wissenschaften zu warnen, ohne diese jedoch
ausschließlich zu verdammen. Kyber wusste, dass das Denken und die Wissenschaft
niemals hinter die äußere Erscheinung der Dinge gelangen können. Ihr
seelischer Kern ist jenseitigen Ursprungs und wird sich einer rein irdischen Betrachtungsweise immer entziehen.
Der Widerspruch zwischen seinen
Überzeugungen und dem größtenteils auf Diesseitigkeit ausgerichteten Zeitgeist,
veranlassten Manfred Kyber, sich Zeit seines Lebens als Fremder auf dieser Welt
zu fühlen. Die materialistische Oberflächlichkeit, Gefühlsstumpfheit und
Gottesferne sah er als Quelle und Ursprung aller der von ihm thematisierten
Probleme an. Noch gegen Lebensende bekannte er sich öffentlich zum Glauben an
Märchengestalten, Feen und Elfen, die er in enger Verbindung mit der Tierwelt
stehen sah. So sagte er 1921:
„Ich bekenne, dass ich heute noch an das Märchen glaube, dass ich glaube an seine Wirklichkeit und an die Wirklichkeit all seiner Gestalten. Ich glaube an Schneewittchen und Rosenrot, ich glaube an Feen, Nixen und Elfen und an die kleinen Männchen mit dünnen Beinen und roten Hütchen, ich glaube an die Geschwisterschaft aller Menschen und Tiere und an die Lebendigkeit aller Dinge, wenn man sie ansieht mit den Augen eines Kindes. Ich glaube an die uralte Menschensehnsucht nach einem verlorenen Paradies und an den großen Erlösergedanken des Märchens, auch im Kleinsten, Geringsten und Hässlichsten die Schönheit eines verzauberten Königtums zu sehen…“ (in: Anton Brieger: "In zwölfter Stunde")
Kybers reifstes und tiefgründigstes Werk ist der Gralsroman "Die drei Lichter der kleinen Veronika", welcher 1929 veröffentlicht wurde. Dieser Roman fasst Kybers sämtliche geistige Erkenntnisse in der Geschichte der hellsichtigen kleinen Veronika zusammen. Über allem steht dabei der Erlösungsgedanke für alle Gottesgeschöpfe durch den Heiligen Gral.
Trotz
aller seelischer Mühsal und der
finanziellen Not, welche ihm die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg
bereitete,
blieb Manfred Kyber seinem Glauben an Gerechtigkeit, wahre
Menschlichkeit
und an die Geschwisterschaft aller Geschöpfe in
ritterlicher Art bis zum Tode treu. So schrieb der mit Kyber
befreundete Maler D.H. Volz:
"Zart war sein Körper, doch ungeheuer groß und kraftvoll seine Seele. Ein Kämpfer für die hilflose Kreatur. Ein wahrhafter Schüler des heiligen Franz. Ein echter Gralsritter..." (in: Anton Brieger: "In zwölfter Stunde")
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