MAX
HEINDEL
1865 -
1919
Begründer der rosenkreuzerischen Schule "Rosicrucian Fellowship"
„Keiner kann
wirklich mitleidend und ein Helfer in der Entwicklung sein, wenn er tötet, um
zu essen, sei es in eigener Person oder durch Stellvertretung. Das harmlose
Leben ist eine unbedingt wesentliche Vorbedingung für das Leben als Helfer.“
1. Gründe
für eine vegetarische Kost
2. Die Wissenschaft der Ernährung
3. Leben und leben lassen
4. Fleischverzehr und das Tragen von Pelzen
5. Fegefeuer
6. Der Weltkrieg im Lichte okkulter Forschung, III.
Teil: Friede auf Erden (Gründe für eine vegetarische Lebensweise)
7. Unsere Einstellung zu den niederen
Lebensformen
8. Über die Tötung giftiger Reptilien
9. Leben die Tiere nach dem Tode?
10. Der Gruppengeist ist unsterblich
11. Nachtodliches Schicksal von Vivisektoren
1. Gründe für eine vegetarische Kost
[…]
Betrachten wir das Fleischessen vom
ethischen Standpunkt aus, so muss festgestellt werden, dass es der höheren
Auffassung widerspricht, wenn wir töten, um zu essen. In alten Zeiten ging der
Mensch auf die Jagd, wie irgendein Raubtier, roh und gefühllos; heute „jagt“ er
im Metzgerladen, wo ihn nicht das ekelerregende Schauspiel des Schlachthauses
krankmachen kann. Wenn jedermann an solche Orte gehen müsste, wo jeden Tag
Greuel stattfinden, die einzig dazu dienen, eine abnormale, schädliche
Gewohnheit zu befriedigen, die mehr Krankheit und Leiden verursacht als die
Begierde nach Alkohol; wenn jeder das blutige Messer in der Hand halten und in
das zuckende Fleisch seines Opfers stoßen müsste, wie viel Fleisch werden wir
dann noch essen? Bestimmt sehr wenig. Damit wir dieser abscheuerregenden Arbeit
ausweichen können, nötigen wir einen Mitmenschen, Tag für Tag in diesem
blutigen Pferch zu stehen und täglich Tausende von Tieren zu töten; wir
verrohen ihn in einem solchen Maß, dass das Gesetz ihm (in Amerika) nicht
erlaubt, als Geschworener bei einem Kapitalverbrechen (Totschlag – Mord) zu
amtieren, weil er keine Achtung mehr vor dem Leben hat.
Die Tiere, die wir töten, schreien
laut gegen diesen Mord, es lagert immer eine Wolke von Schwermut und Hass über
den großen Schlachthäusern. Das Gesetz schützt Katzen und Hunde vor
Grausamkeit. Wir alle erfreuen uns an den kleinen Eichhörnchen im Stadtpark,
wenn sie kommen und Futter aus unserer Hand nehmen. Sobald aber das Fleisch
oder der Pelz des Tieres einen Geldwert hat, dann hört der Mensch auf, Rücksicht
auf ihr Recht zum Leben zu nehmen und wird ihr gefährlichster Gegner, weil er
sie nur um des Gewinnes willen züchtet und füttert, wobei er um Geldes willen
Leiden und Ungemach über seine Mitgeschöpfe bringt. Wir müssen eine schwere
Schuld an den niederen Geschöpfen abtragen, deren Erzieher wir sein sollten,
deren Mörder wir aber sind, und das göttliche Gesetz, das immer dahin geht,
Missbräuche auszugleichen, wird einmal die Gewohnheit, das Fleisch ermordeter
Tiere zu essen, zu dem Haufen veralteter Gebräuche verbannen, wie heute den
Kannibalismus.
Es liegt in der Natur eines
Raubtiers, jedes Tier zu fressen, das ihm über den Weg kommt und seine Organe
sind so beschaffen, dass es diese Kost braucht, um leben zu können. Aber alles
ist auf der Stufe des Werdens begriffen, es geht fortwährend zu etwas Höherem
über. Der Mensch war auf seiner früheren Entwicklungsstufe in gewisser Hinsicht
auch wie ein Raubtier. Da er aber bestimmt ist, Gott ähnlich zu werden, muss er
aufhören, zu vernichten, damit er beginnen kann, schöpferisch zu werden. Fleischnahrung
hat in der Vergangenheit den menschlichen Scharfsinn niederer Art gefördert,
sie hat einem Zweck in unserer Entwicklung gedient; nun aber stehen wir an der
Schwelle eines neuen Zeitalters, wo Selbstopferung und Dienen der Menschheit
geistiges Wachstum bringen wird. Durch die Entwicklung des Verstandes werden
wir eine Weisheit erlangen, die unser Begreifen weit übertrifft. Aber ehe uns
eine solche Weisheit anvertraut werden kann, müssen wir zahm wie eine Taube
werden, andernfalls wären wir imstande, sie zu solch selbstsüchtigen und
zerstörenden Zwecken anzuwenden, dass sie eine unbeschreibliche Gefahr für
unsere Mitmenschen bedeuten würde. Um dies zu vermeiden, muss die fleischlose
Kost angenommen werden.
Wir sind gelehrt worden, dass es
kein Leben im Universum gibt als das Leben Gottes, dass wir „in ihm leben, uns
bewegen und unser Sein haben“, dass sein Leben alles, was es gibt, belebt, und
daher verstehen wir natürlich, dass, sobald wir Leben nehmen, wir die Form
zerstören, die Gott zu seiner Offenbarung erbaut hat. Die niederen Tierarten
sind Geister, die sich entwickeln und Empfindungsvermögen haben. Sie haben ein
Verlangen nach Erfahrung, das sie veranlasst, sich verschiedene Formen zu
erbauen, und wenn wir ihnen diese Form nehmen, berauben wir sie ihrer
Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. Wir verhindern ihre Entwicklung, anstatt
ihnen zu helfen und es wird ein Tag kommen, wo wir einen tiefen Ekel empfinden
bei dem Gedanken, dass wir aus unserem Magen eine Grabstätte für die Leichname
ermordeter Tiere machen. Alle wirklichen Christen werden sich dann aus reinem
Mitleid der fleischlichen Nahrung enthalten; sie werden erkennen, dass alles
Leben Gottes ist, und dass es ein großes Unrecht ist, irgendeinem fühlenden
Wesen Leiden zu verursachen.
[…]
Okkulte Prinzipien der
Gesundheit und Heilung, S. 127 – 129
2. Die Wissenschaft der Ernährung
[…]
Da
wir für den Höherstrebenden
schreiben und nicht für die allgemeine Öffentlichkeit, kann
man auch sagen, dass
tierische Nahrung, wenn möglich, vermieden werden sollte. Niemand,
der tötet,
kann auf dem Pfad der Heiligkeit sehr weit vorankommen. Wenn wir
Fleisch
genießen, handeln wir sogar schlimmer, als würden wir
tatsächlich töten, denn
um die persönliche Arbeit des Tötens zu umgehen und doch ihre
Folgen zu
genießen, zwingen wir Mitmenschen, um des Verdienstes willen ihre
ganze Zeit
dem Mord zu widmen und dadurch so zu vertieren, dass das Gesetz ihnen
nicht einmal mehr erlaubt, in Fällen von Kapitalverbrechen als
Geschworene aufzutreten, weil ihr Beruf sie mit dem Töten allzu
vertraut
gemacht hat (USA 1909).
Der Aufgeklärte weiß, dass das Tier
sein jüngerer Bruder ist, und dass es in der Jupiterperiode menschlich sein
wird. Wir werden ihm dann so helfen, wie die Engel uns jetzt helfen, die in der
Mondperiode menschlich waren. Für einen Höherstrebenden kommt das Töten
überhaupt nicht in Frage, weder persönlich noch durch Stellvertretung.
[…]
Die Weltanschauung der Rosenkreuzer, S. 446/447
3. Leben und leben lassen
Das erste Gesetz der okkulten
Wissenschaft ist: "Du sollst nicht töten", und dies sollte für den
nach höherem Leben Strebenden von größter Bedeutung sein. Wir können nicht
einmal ein Staubkörnchen erschaffen, welches Recht haben wir daher, die
geringste Form zu zerstören? Jeder Körper ist ein Ausdruck des einen Lebens,
des Lebens Gottes. Wir haben nicht das Recht, eine Form zu zerstören, durch die
das Leben Erfahrungen sammelt, und es zu zwingen, sich einen neuen Träger zu
erbauen.
Ella Wheeler Wilcox setzt sich für diesen
okkulten Grundsatz mit dem wahren Mitleid aller weit fortgeschrittenen Seelen
mit den folgenden schönen Worten ein:
Ich bin die Stimme der Stummen;
Sie sprechen durch meinen Mund,
Bis der wortlose Schmerz
Aus gequältem Herz
Der tauben Welt wird kund.
Die Kraft, die den Menschen schuf,
Formte die Tiere aus Fleisch und Bein,
Der Gott im All
Lieh des Lichtes Strahl
Auch dem kleinsten Vögelein.
Und ich bin meines Bruders Hüter,
Will kämpfen mit Feder und Wort
Für jedwedes Getier
Auf der Erde hier,
Dass die Welt es schütze vor Mord.
[…]
Auf unserer gegenwärtigen
Entwicklungsstufe weiß ein jeder Mensch von selbst, dass es unrecht ist, zu
töten. Der Mensch beschützt und liebt die Tiere in allen Fällen, in denen seine
Gier und sein selbstsüchtiges Interesse ihn nicht gegen dessen Rechte erblinden
lassen. Das Gesetz schützt selbst Hunde und Katzen vor mutwilligen Quälereien.
Außer beim "Sport", dieser mutwilligsten aller unserer
Tierquälereien, geschieht es immer nur um des Geldes willen, dass die Tiere
getötet und zur Tötung aufgezogen werden. Nur die dem "Sport"
Ergebenen schießen die hilflose Kreatur lediglich aus falschen Vorstellungen
von der Tapferkeit des Jägers nieder.
Es ist kaum fassbar, wie Menschen,
die sonst vernünftig und gütig erscheinen, zeitweilig alle ihre besseren
Instinkte vergessen, zu blutdürstiger Wildheit zurückkehren, nur aus Lust am
Blutvergießen und aus Freude an der Zerstörung töten. Es ist sicher eine
Rückkehr zu den niedersten tierischen Instinkten und kann niemals im Entferntesten
mit etwas "Männlichem" verglichen werden, selbst wenn es von einem
sonst menschlichen und würdigen Herrscher einer mächtigen Nation ausgeübt und
verteidigt wird.
Wie viel besser kleidet es den
Menschen, Freund und Beschützer der Schwachen zu sein. Wer besucht wohl nicht
gerne den Central-Park in New York City, um dort die Hunderte von Eichkätzchen
zu streicheln, zu liebkosen und zu füttern, die in dem Gefühl, dass niemand sie
stört, zutraulich herumspringen? Und wer freut sich nicht um der Eichkätzchen willen
über das Schild mit der Aufschrift: "Hunde, die Eichkätzchen jagen, werden
erschossen?" Das ist hart gegen die Hunde, es ist aber ein Beweis dafür, dass
das Gefühl, dass die Schwachen geschützt werden müssen, wächst. Auf der Tafel
wird die Möglichkeit einer Verletzung der Eichkätzchen durch Menschen nicht
erwähnt, weil dies undenkbar wäre. So stark wirkt das Vertrauen, welches das
kleine Tier in die Güte des Menschen setzt, dass niemand es verletzt.
Die Weltanschauung der Rosenkreuzer, S. 460 – 462
4. Fleischverzehr und das Tragen von
Pelzen
Ein Student, der bekennt, dass er
dem Verzehr von Fleisch noch im gewissen Maß unterworfen ist, hat hin und
wieder das Bedürfnis, zu anderen über die Rosenkreuzerlehren zu sprechen, aber
er hat immer das Gefühl, ein Heuchler zu sein, wenn er dem Vegetarismus das
Wort redet. Er fragt uns, wie er seine Gewohnheit überwinden kann, und ob er es
aufgeben soll, andere zu belehren, bis er selbst etwas erreicht hat.
Diese Frage hat allgemeines
Interesse, denn obgleich die Studenten der Rosenkreuzerlehren aufrichtig und
ernst sind, haben sie doch dieselben Unvollkommenheiten wie alle anderen
menschlichen Wesen, sonst wären sie nicht hier. Deshalb mag ein Brief über
diesen Gegenstand für viele eine Hilfe sein.
Es bedarf keines Beweises, dass man
bei einem Cocktail nicht über geistige Dinge diskutieren oder eine unblutige
Ernährung nicht anpreisen kann, während man ein Beefsteak verzehrt. Auch sind
die, die unsere täglichen Lebensgewohnheiten kennen, immer sehr schnell bei der
Hand, wenn sie einen Unterschied merken zwischen dem, was man lehrt und dem,
was man lebt. Darum ist es natürlich am besten, fähig zu sein, die Lehren zu
leben, ehe man beginnt, andere zu bekehren. Auf der anderen Seite ist es jedoch
zu stark ausgedrückt, jemanden einen Heuchler zu nennen, weil er für ein Ideal
eintritt, das er selbst noch nicht erreichen konnte. Solange jemand von der
Richtigkeit der fleischlosen Ernährung aufrichtig überzeugt ist und
dementsprechend zu leben versucht, hat er das Recht für die Lehre einzutreten,
selbst wenn er noch gelegentlich den Grundsatz durchbricht. Der Polarstern
führt den Seemann sicher nach dem gewünschten Hafen, wenn er auch den Stern
selbst niemals erreicht. Ähnlich ist es mit unseren Idealen. Wenn sie so hoch sind
wie die Sterne, werden sie in diesem Leben nicht erreicht. Wir sind trotzdem
besser daran, dass wir sie haben.
Andererseits aber scheint es mir, dass
es mit einem bisschen Willenskraft, das man zur Anwendung bringt, für niemanden
allzu schwer sein könnte, sich von Tabak, Alkohol und Fleisch zu enthalten. Und
der Gedanke an die Leiden, die den armen Tieren in den Zügen auf dem Weg zum
Schlachthaus bereitet werden, an die Angst, die dem tödlichen Schlag vorangeht,
oder an den Moment, wo das Messer in ihre Kehle dringt, sollte jeden, der das
höhere Leben leben will, bewegen und mit Mitleid für diese armen, stummen
Geschöpfe, die sich nicht verteidigen können, erfüllen. Aus den gleichen
Gründen sollte auch das Tragen von Pelzen oder Federn als Schmuck von den
Frauen in unseren Reihen vermieden werden. Es ist ebenso widerspruchsvoll, und
es würde zweifellos widrige Kritik herausfordern, wenn jemand in solcher
Kleidung gegen das Töten der Tiere auftreten wollte.
Leider zwingt
uns die Kompliziertheit unserer Zivilisation dazu, für viele Dinge, wie z.B.
für Schuhe, Riemen usw. Leder zu verwenden, weil bis jetzt noch kein anderes
Material auf dem Markt ist, das seinen Platz einnehmen könnte.
Nichtsdestoweniger sollten wir das Möglichste tun, um die Verwendung von Material
zu vermeiden, das den Tod eines Tieres erfordert. Eine der Segnungen dieses
gegenwärtigen Krieges (des 1. Weltkrieges
– d. Herausgeber) ist die, dass die
Menschen herausfinden, dass Fleisch kein unerlässlicher Bestandteil unserer
Nahrung ist, und dass wir ohne Alkohol besser daran sind. Lasst uns hoffen, dass
dies erst der Beginn des Endes ist und dass die Menschen bald aufhören werden,
Tiere um ihres Fleisches und Felles willen zu halten und zu jagen. In der
Zwischenzeit wollen wir allen ein gutes Beispiel sein und Energie aufwenden, um
das zu können.
Briefe an Studenten, Brief Nr. 90
5. Fegefeuer
[…] Darauf (auf die Einsicht eines begangenen Unrechts – d. Herausgeber) wird
er sich nun in rückwärtiger Folge den nächsten Vorgang ins Gedächtnis zurückrufen,
der vielleicht das Abendessen betrifft. In Hinsicht darauf wird er sich prüfen,
ob er mäßig, genügend für seinen Lebensbedarf, gegessen habe, Nahrungsmittel,
die ohne Qualen für andere Geschöpfe Gottes gewonnen wurden (keine Fleischkost,
die anderen Geschöpfen das Leben gekostet hat). Findet er, dass er seinen
Gelüsten nachgegeben und gierig gegessen hat, wird er sich bemühen, dieser
Neigung Herr zu werden; denn um ein reines Leben zu führen, müssen wir einen
reinen Körper haben; es kann niemand seine volle Wirksamkeit entfalten, solange
er aus dem Magen den Schindacker für verwesende Überreste gemordeter Tiere
macht. […]
Rosenkreuzer-Mysterien, S. 108
6. Der Weltkrieg im Lichte okkulter
Forschung, III. Teil: Friede auf Erden
[…]
Es ist jedoch nicht gleichgültig,
aus welchem Grunde man sich zum Vegetarismus bekennt. Während des Krieges waren
in Europa viele Menschen gezwungen, ohne Fleisch zu leben. Sie sind jedoch
nicht wahre Vegetarier gewesen, denn ihr Verlangen nach Fleisch war immer das gleiche,
und sie empfanden den Mangel als eine große Härte und als ein Opfer. Sie würden
sich wahrscheinlich daran gewöhnt haben und wären nach vielen Generationen
sicher friedlich und gutmütig geworden. Doch ein solcher erzwungener
Vegetarismus ist nur von geringem Wert. Es gibt andere, die von der
Fleischnahrung aus gesundheitlichen Gründen Abstand nehmen, doch ihr Motiv ist
selbstsüchtig, und vielen gelüstet es noch nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“.
Ihre geistige Haltung ist auch nicht so, dass man damit rechnen könnte, dass
sie ihre Wildheit verloren haben.
Aber es gibt noch eine dritte
Klasse, die erkennt, dass alles Leben von Gott ausgeht, und dass es ein Unrecht
ist, wenn wir einem mit Sinneswahrnehmung begabten Wesen Leid zufügen. Bei
ihnen ist Mitleid ausschlaggebend und veranlasst sie, der Fleischnahrung zu
entsagen. Sie sind die wahren Vegetarier, und es ist klar, dass ein Weltkrieg
mit Menschen einer solchen geistigen Haltung niemals möglich gewesen wäre. Alle
wahren Christen sollten sich aus ähnlichen Gründen der Fleischnahrung enthalten.
Dann wird Friede auf Erden und guter Wille unter den Menschen zur Wirklichkeit
werden. Die Nationen werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu
Sicheln umschmieden und so aufhören, Tod, Leid und Sorge über den Erdball zu
verbreiten, aber dem Leben, der Liebe und dem Glück als Wegbereiter zu dienen.
[…]
Lehren eines Eingeweihten, S. 86 – 87
7. Unsere
Einstellung zu den niederen Lebensformen
Können Sie erklären, welcherart unsere Gesinnung den niederen
Lebensformen gegenüber sein sollte? Haben wir ein Recht, irgendein harmloses
Geschöpf zu töten, da alles was Leben hat, in einem gewissen Sinne unser Bruder
ist? Wie ist es mit den giftigen Insekten und Reptilien?
ANTWORT: Es gibt nur ein Leben im
ganzen Weltall und das ist das Leben GOTTES: „in ihm leben, weben und sind
wir.“ Und nicht nur die Menschen, sondern alles, was lebt und ist, ist eine
Erscheinung GOTTES. Es ist unser Ziel, mit der Zeit ähnlich wie GOTT,
schöpfungsfähig zu werden. Solange wir aber die Formen anderer lebender Wesen
mit brutalem Sinne zerstören, stehen wir uns natürlich selbst im Wege, dieses
Ziel zu erreichen. Der Fragende hat Recht, wenn er sagt, dass die Tiere uns
verwandt sind. Es besteht aber die traurige Tatsache, dass, anstatt diesen zu
helfen und ihnen Vertrauen und Liebe einzuflößen, wir uns von jedem Tiere auf
der weiten Welt gefürchtet gemacht haben; das letztere dadurch, dass wir sie
unbarmherzig vernichten, und es scheint als eine gerechte Vergeltung, dass wir
selbst nun in fortwährender Angst vor Bazillen und Mikroben leben müssen, die
wir weder mit Messer noch mit der Schusswaffe töten können. Was die
verderblichen Insekten und Reptilien anbelangt, so können wir sagen, dass sie
in vielen Fällen die Verkörperung unserer eigenen bösen, unreinen Gedanken und
Gewohnheiten darstellen. Die Wissenschaft hat uns gezeigt, wie wir uns ihrer,
ohne sie zu töten, in großem Maße durch Reinlichkeit entledigen können. Die
größeren Reptilien, wie z.B. die Schlangen, sind bei weitem nicht so
gefährlich, wie gewöhnlich angenommen wird. In den Tempeln Indiens, wo gewisse
Leute eine völlig Harmlosigkeit in sich entwickelt haben, indem sie davon
abstehen, das geringste Geschöpf zu töten, kann man tagtäglich Giftschlangen
unter der versammelten Menge umherkriechen sehen, ohne dass sie jemand ein Leid
antun.
Übten wir den niederen Tieren gegenüber
Harmlosigkeit, dann würden sie uns binnen kurzem in demselben Maße vertrauen,
wie sie uns gegenwärtig fürchten. In Geschichten aus dem Leben der Seeleute
hören wir, dass die Vögel auf Inseln, die nie von Menschen betreten würden,
gänzlich furchtlos sind und auch so bleiben, bis ihnen durch die Tötung einiger
Artgenossen Furcht vor dem Menschen eingejagt wird. Sie lernen dann auffliegen,
sobald ein Mensch in ihre Nähe kommt. Wir haben sogar menschliche Wesen zu
Raubtieren gemacht – von uns „Diebe“ und „Räuber“ genannt - , die ihren
Mitmenschen auflauern, ihnen Hab und Gut stehlen und sie obendrein auch noch
bisweilen verletzen, ja sogar töten, und das alles nur infolge von harter
Behandlung, die immer nur aus der Furcht entstanden sein kann. Hegten wir wahre
Liebe, dann könnten wir uns nicht fürchten, weil vollkommende Liebe alle Furcht
verdrängt. Hätten wir keine Angst, so könnte uns auch kein Leid zu gefügt
werden, und ein vertrauensvolles Benehmen ist immer ein besserer Schutz als
eine Pistole oder ein Schloss. Aus diesem Grunde sollten wir allen lebenden und
atmenden Geschöpfen Liebe entgegenbringen. Wir sollten aufhören, die niederen
Tiere millionenweise als Nahrungsmittel oder sogar zum Zeitvertreib, wie z.B.
auf der Jagd, abzuschlachten. Das letztere ist die größte Unbarmherzigkeit.
Liebreiches Mitgefühl unseren Mitmenschen gegenüber würde bald auch in diesen
Gefühle hervorrufen, und Schlösser und Waffen wären dann überflüssig. Wir
beschweren uns über die uns auferlegte, hohe Steuergebühr, die nötig ist, um
eine große Menge Polizeipersonal, Gerichtshöfe, Kerker und Gefängnisse zu
unterhalten. Alle diese Anstalten würden aber wie durch Zauber verschwinden,
wollten wir Furcht durch Liebe ersetzen. Die Bibel spricht von einer Zeit, wo
der Löwe, der Ochse, das Kind und das giftige Reptil friedlich zusammen spielen
werden.
Das kann in Wirklichkeit noch der
Fall werden, weil die Raubtiere nicht immer Fleischfresser waren. In längst
vergangener Zeit hatte der Mensch einen Anteil an der Entwicklung der Tiere,
indem er ihnen half, und in der Zukunft wird es unsere Aufgabe sein, die vorhin
genannten unerwünschten Verhältnisse abzuschaffen.
Rosenkreuzer-Philosophie in Frage und Antwort, Band I, Frage 164
8. Über die Tötung giftiger Reptilien
Werden nicht giftige, schädliche Reptilien, soweit es die Form betrifft,
durch die bösen Gedanken der Menschen erschaffen? Und ist es deshalb ihnen
gegenüber nicht eine Liebestat, sie zu töten, um dadurch den in ihnen
verborgenen göttlichen Funken freizumachen, damit er Gelegenheit erhalte, eine
höhere Form zu bewohnen?
ANTWORT: Keine der Tierformen, die
wir um uns sehen, wurde vom Menschen erschaffen. Alle diese Formen, ohne
Ausnahme, von der höchsten bis zur niedersten, sind Ausströmungen von
Gruppengeistern; die letzteren sind geistige Wesen, die nicht der menschlichen,
sondern einer anderen Evolution angehören. Der Mensch erschafft vermittelst
seines Denkens. Regungen der Furcht und des Hasses und sonstige schlechte
Gedanken nehmen Formen an, die sich mit der Zeit, im Laufe von Jahrhunderten,
zu den sogenannten Bakterien kristallisieren. Die Bazillen ansteckender
Krankheiten sind hauptsächlich Verkörperungen des Hasses und der Furcht;
deshalb können sie auch durch die entgegengesetzte Kraft, nämlich durch den
Mut, besiegt werden. Wie eine Stimmgabel anfängt zu vibrieren, wenn wir eine
andere gleicher Tonstufe anschlagen, so werden auch in ähnlicher Weise durch
Mikroben verursachte Krankheiten fortgepflanzt.
Wenn wir ängstlich und zitternd in
die Nähe einer mit einer ansteckenden Krankheit behafteten Person kommen, dann
ist es fast sicher, dass wir die tödlichen Bakterien dadurch anziehen. Treten
wir andererseits einem solchen Menschen furchtlos gegenüber, so können wir
nicht angesteckt werden, besonders wenn Liebe und Hilfsbereitschaft die
Triebfeder ist. Liebe kann uns nie dazu anspornen, im gewöhnlichen Sinne des
Wortes zu töten. Es ist wahr, dass, wenn wir mit dem böse und giftige Formen
bewohnenden Leben unmittelbar in Verkehr treten könnten, wir zuweilen imstande
sein würden, ihm zu höheren Formen zu verhelfen, und das wäre natürlich gut. An
erster Stelle fehlt uns aber die Fähigkeit zu schätzen, wann die gegenwärtige
Form ihrem Zwecke ausgedient hat, und deshalb sind wir auch nicht in der Lage,
die Verantwortung dafür zu übernehmen, wenn wir das innewohnende Leben seiner
Form berauben, auch dann nicht, wenn wir es aus Liebe zu tun denken. Der
einzige Fall, in dem wir töten dürfen, träte vielleicht dann ein, wenn ein Tier
derartig verletzt wäre, dass wirklich keine Hoffnung zu seiner
Wiederherstellung bestände, und wir es töteten, um seine Leiden dadurch zu
beenden.
Rosenkreuzer-Philosophie in Frage und Antwort, Band I, Frage 165
9. Leben die Tiere nach dem Tode?
Was lebt, ist der Geist, und der
Geist hat weder Anfang noch Ende, - d.h. einfach „er ist.“ Die Frage bezieht
sich aber wahrscheinlich darauf, ob das Tier nach dem Tode als solches in einer
seiner physischen ähnlichen Form fortbesteht. Diese Frage können wir mit „ja“
beantworten, da jedes Tier nach seinem Ableben in einem aus Begierdenstoff
geformten Begierdenkörper kürzere oder längere Zeit, je nach seiner
Entwicklung, fortbesteht. Sogar ein zertretener Käfer kann von einem Hellseher
beobachtet werden, wie er eine kurze Entfernung in seinem Begierdenleib
fortkriecht und darauf allmählich, wie sich auflösend, verschwindet. Er behält
seine Form nur für einige Momente nach dem Tode bei, ehe er zu seinem
Ursprunge, dem Gruppengeiste, zurückkehrt und sich mit ihm wieder vereinigt.
Einem Pferde, einer Kuh oder irgendeinem anderen höher entwickelten Tiere ist
ein verhältnismäßig längerer Aufenthalt und auch ein höheres Bewusstsein in der
Begierdenwelt beschieden als einem Wesen aus den niederen Tierklassen. Um diese
Tatsache besser zu erklären, wollen wir einen Fall anführen, der vor einigen
Jahren die Aufmerksamkeit vieler erregte, nämlich als Rider Haggard, der
englische Schriftsteller, seinen außerordentlichen Traum veröffentlichte. Er
besaß einen Hund, den er sehr gerne hatte, und eines Nachts träumte er, der
Hund käme äußerst beunruhigt zu ihm und suche ihn zu bewegen, mit ihm zu gehen.
Rider Haggard in seinem Traume folgte dem Tiere, das ihn dann zu einem nahe
gelegenen Bach führte. Dort zeigte der Hund ihm seinen eigenen toten Körper,
indem er in stummer Verzweiflung zu seinem Herrn um Aufklärung empor sah.
Als Rider Haggard am nächsten Morgen
erwachte, erinnerte er sich seines Traumes sehr deutlich, legte ihm aber zu der
Zeit nicht viel Bedeutung bei, bis später, im Laufe des Tages, der Hund
vermisst wurde. Nachdem man ihn in der Nachbarschaft vergebens gesucht hatte,
begab sich Rider Haggard zu der Stelle am Bache, die er nachts in seinem Traume
zusammen mit dem Hund besucht hatte, und dort inmitten der Binsen fand er den
toten Körper seines Hundes in genau derselben Stellung, wie er ihn im Traume
gesehen. Die Sache wurde als rätselhafter Vorfall erklärt und damit als
erledigt beiseite geschoben. Dem Okkultisten ist der Zusammenhang aber klar.
Der intelligente Hund stirbt und findet sich in der Begierdenwelt wieder, und
da es Nacht ist, wo sein Herr auch außerhalb des Körpers weilt, geht er hin und
holt ihn zur Stelle der Begebenheit, um Hilfe und Erklärung von ihm zu
erhalten.
Rosenkreuzer-Philosophie in Frage und Antwort, Band I, Frage 168
10. Der Gruppengeist ist unsterblich
Wenn ein Schoßhund oder eine Katze stirbt, stirbt da auch der ganze
Gruppengeist, dem sie angehören, zu gleicher Zeit? Und was geschieht mit der
Tierseele weiterhin? Hilft ihr die von den Menschen erhaltene Liebe in ihrem
Aufwärtsstreben?
ANTWORT: Die Frage zeigt, dass der
Fragende eine nur unvollkommene Idee davon hat, was ein Gruppengeist ist. Wie
unser Körper aus unzähligen Zellen besteht, deren jede mit ihrem eigenen
Zellenleben ausgestattet ist und die alle zusammen unserer Zentral-Intelligenz
untergeben sind, ähnlich so hat auch der Gruppengeist einer Tiergattung dieses
geistig, einer anderen Evolution angehörende Wesen, einen geistigen Körper, der
aus vielen im Entwicklungszustande befindlichen Tiergeistern besteht.
Von Zeit zu Zeit sendet er diese
Tiergeister zur Verkörperung in einem Körper ihrer Gattung aus; je einen Geist
in einen Körper. Nach ihrem Tode kehren sie mit einem höheren Bewusstsein als
das, das sie bei ihrer Geburt hatten, zur Wiedervereinigung mit ihrem
Gruppengeiste zurück. Dadurch helfen sie dem letzteren in seiner Entwicklung
und gewissermaßen als Vergeltung dafür leitet der Gruppengeist die einzelnen
Tiergeister seiner Gattung. Jeder Gruppengeist ist, wie alle anderen Geister,
unsterblich. Er ist der Vormund der Tiergeister, und so wie die letzteren sich
entwickeln, verändert sich auch sein geistiger Körper. Sobald die einzelnen
Tiergeister genügend entwickelt sind, werden sie einzelne menschenähnliche
Wesen, bleiben aber fortwährend unter der Leitung ihres Gruppengeistes, ähnlich
wie die Menschenrassen oder -nationen unter der Leitung des Rassen- oder
Nationalgeistes stehen. Sie können nicht eher ihre eigenen Herren werden, als
bis sie sich soweit entwickelt haben, dass sie Familien- oder Nationalvoreingenommenheiten
oder -vorurteile aufgeben. Darum hat Christus gesagt: „Solange ein Mensch
seinen Vater und seine Mutter nicht verlassen kann, kann er mir nicht folgen.“
Väter und Mütter sind Körper, sie binden und hindern. Die Geister haben keine
Väter und Mütter, sie sind eine Einheit. Die Tierseele vereinigt sich bald,
nachdem sie beim Sterben ihren Körper verlassen hat, mit ihrem Gruppengeiste,
und die Liebe und Pflege, die dem Tiere von uns zuteil wurden, helfen ihm sehr
in seiner Evolution. Die wilden Tiere handeln ausschließlich den Vorschriften
des Gruppengeistes, nämlich ihrem Instinkte gemäß, während die Haustiere etwas
wie Denkfähigkeit zeigen. Die letztere ist eine Erscheinung, die unter normalen
Verhältnissen erst in der Zukunft vorkommen könnte.
Sie erhalten diese Fähigkeit von uns
durch Induktion auf ähnliche Art, wie ein mit einem elektrischen Strome
geladener Draht in einen anderen, naheliegenden Draht einen elektrischen Strom
induziert. Der Unterschied ist aber der, dass der induzierte Strom geringer
ist. Die Tiere können aus sich selbst heraus nicht denken, lernen es aber
einigermaßen von den Menschen durch die Induktion. Auch können wir als ziemlich
sicher annehmen, dass die Haustiere mit der Zeit Lehrer ihrer weniger
fortgeschrittenen Brüder sein werden.
Rosenkreuzer-Philosophie in Frage und Antwort, Band I, Frage 169
11. Nachtodliches Schicksal von
Vivisektoren
Wird ein Chirurg im Fegefeuer alle die Schmerzen fühlen, die er seinen
Patienten bei Operationen verursacht hat? Das wäre doch nicht gerecht bei der
hilfebringenden und aufbauenden Chirurgie.
ANTWORT: Natürlich nicht. Die Leiden
im Fegefeuer sind die Folgen moralischer Sünden und treffen Menschen, durch
deren Handlungen andere gelitten haben. Ein Chirurg, der eine helfende
Operation vornimmt, dient damit dem Patienten und verdient dessen Dankbarkeit.
Das Bild einer solchen Operation wird in seinem Lebenspanorama im ersten Himmel
auf ihn zurückwirken neben der Dankbarkeit des Patienten, dem er geholfen hat.
Das wird ihn noch mehr anspornen, seinen Mitmenschen zu helfen.
Andererseits werden
unverantwortliche Chirurgen, die Menschen nur zu experimentellen Zwecken zu
Operationen überreden, oder die hierzu Menschen aus
Wohltätigkeits-Institutionen hernehmen, sicherlich so streng behandelt werden,
wie sie es verdienen. Wir haben z.B. in einigen Fällen Vivisektoren in einem
Zustand im Fegefeuer gesehen, gegen welche die orthodoxe Hölle mit ihren
Teufeln und Heugabeln als ein Ort milden Vergnügens erscheint. Es waren zwar
keine äußeren Vertreter der beleidigten Natur da, um sie zu strafen, aber die
Agonien der gequälten Tiere wirkten auf sie mit dreifacher Kraft, weil der
Aufenthalt im Fegefeuer nur ein Drittel der irdischen Lebenszeit beträgt.
Solche Leute ahnen nicht im Geringsten, was sie in dieser Beziehung an Schuld
anhäufen, sonst würden die Folterkammern bald leer und ein Greuel weniger in
der Welt sein.
Rosenkreuzer-Philosophie in Frage und Antwort, Band II, Frage 27