Ein Lebensbild zum 125. Geburtstag

Beitrag von Peter Götz

 

"Tiere haben ihre Komik und ihre Tragik wie wir.
Sie sind voller Ähnlichkeit und Wechselbeziehung.
Die Menschen glauben meist, zwischen ihnen und den Tieren sei ein Abgrund.
Es ist nur eine Stufe im Rade des Lebens.
Denn alle sind wir Kinder einer Einheit.
Um die Natur zu erkennen, muss man ihre Geschöpfe verstehen.
Um ein Geschöpf zu verstehen, muss man in ihm den Bruder sehn."

 

Ein Meister der Tiergeschichte

Solche Gedanken sind uns heute, in moderner Begrifflichkeit, in religiösem wie in philosophisch-esoterischem Kontext durchaus vertraut. Dann kennen wir das Wissen um die Geschwisterlichkeit alles Lebendigen weniger vom kirchlich organisierten Christentum. Solche Anschauungen werden eher in Gruppierungen am Rande oder außerhalb der Großkirchen vertreten. Vertrauter ist diese Haltung zu den Mitgeschöpfen in den östlichen Religionen, besonders in Hinduismus wie Buddhismus.

Das anfangs wiedergegebene Zitat freilich stammt aus dem christlichen Umkreis und bereits aus dem Jahre 1912. Manfred Kyber leitete damit sein Buch "Unter Tieren" ein, in Berlin erschienen. Diese erste Sammlung von Tiergeschichten besonderer Art sollte ihn noch im Wilhelminischen Zeitalter weiten Kreisen bekannt werden lassen.

Wenn heute der Name Kybers noch genannt wird, so erinnert man sich meist seiner heiteren bis ironischen, doch stets hintergründigen Tiergeschichten. Sie handeln von so unverwechselbaren "Persönlichkeiten" wie Jeremias Kugelkopf, dem Spatzen-Ehepaar Lups, vom Rabenvater Jakob Krakel-Kakel oder vom Kaninchen-Patriachen Onkel Nuckel, dessen Verhaltenweisen einem so bekannt vorkommen...

 

Mehr als ein Erzähler: Gelebte Ethik

Dem Deutschbalten Manfred Kyber (1880 bis 1933) ging es vorrangig nicht darum nur unterhaltsame Geschichten zu schreiben. In seiner baltischen Heimat, geboren in Riga und aufgewachsen auf einem idyllischen Gutshof im alten Livland (heute Lettland) bei Ligat, war er von Kind auf mit der Natur und besonders mit den Tieren vertraut.

Kyber entwickelte sehr bald eine ganzheitliche Schau des Lebens, eine ethisch begründete Dichtung. In seinen Werken spielt die Selbstverantwortung des Menschen vor dem Schöpfungsziel eine geradezu "aufklärerische" Rolle.

So war Manfred Kyber einer der wenigen Literaten, von einer spirituellen wie ethischen Grundhaltung geprägt, die sich auch der praktischen Tierschutzarbeit widmeten. Nach Angaben in biographischen Arbeiten wirkte er in seiner Berliner Zeit im Vorstand des dortigen Tierschutzvereins mit.

Seine daraus gewonnenen Erfahrungen, aber auch die wache Beobachtung des Zeitgeschehens mündeten 1925 in dem schonungslosen Sachbuch "Tierschutz und Kultur" (Erweiterte Neuauflage 1929, noch heute in einer 1982 überarbeiteten Ausgabe vom Artha-Verlag lieferbar). Die Anklagen dieses Buches sollten ihm mächtige Gegner wie neue Freunde bringen.

Kurz vorher, noch in Stuttgart lebend, zeigte er mit seinen sog. Okkultismus-Vorträgen eine andere Seite seines umfassenden Wissens. Die Buchausgabe erschien 1923 unter dem langen Titel "Einführung in das Gesamtgebiet des Okkultismus vom Altertum bis zur Gegenwart".

Prägend für Manfred Kybers esoterische Weltsicht war nach seiner naturnahen Kindheit und Jugend im Baltikum die spätere Begegnung mit der Anthroposophie Rudolf Steiners und die persönliche Bekanntschaft mit ihm selbst.

Gleichwohl scheint in Manfred Kybers Lebenswerk stets ein eigener Ton auf, zuweilen von östlicher Weisheit gefärbt wie in der wundervollen Erzählung "Der Königsgaukler" aus dem Jahre 1921 (heute noch lieferbar vom Drei-Eichen-Verlag).

In ihr wie in seinen Märchen zeigt sich Kybers sensible und doch wieder verstandesklare Schau der menschlichen Evolution, die nur weiterführen kann in der Brüderlichkeit mit allem Lebendigen, einer gelebten Ethik.

Kybers spätere Dichtung atmet franziskanischen Geist (in seiner Stuttgarter Zeit sollte er bei der Union Verlagsgesellschaft bezeichnenderweise auch die Franziskus-Legenden "für die Jugend" herausgeben). Eine moderne Franziskus-Gestalt mit ihrem tatchristlichen Wirken gestaltet er z. B. in seiner Erzählung "Das Land der Verheißung", einer der heute wieder aufgelegten Texte.

So ist es verständlich, dass Manfred Kyber – nicht zuletzt nach dem Anstoss durch seine Frau Elisabeth – etwa 20 Jahre lang vegetarisch lebte. Elisabeth, eine geborene Boltho von Hohenbach und ebenfalls aus dem Baltikum stammend, lebte von 1882 bis 1984, war eine überzeugte Lebensreformerin und frühe Schülerin Rudolf Steiners; sie sollte ihren Dichtergatten um 51 Jahre überleben.

 

Ein bewegtes Leben

Fassen wir seine Lebensstationen in der Kürze zusammen: Von seiner Geburt am 1. März 1880 in Riga an bis 1900 lebte er im damals russischen Baltikum und für kurze Zeit in St. Petersburg (Gymnasium, abgebrochen), dann von 1900 bis 1902 bis zum Tod des Vaters Viktor in Leipzig (Gasthörer der Universität).

Erste Gedichte erscheinen, Beziehung zu Elisabeth Gerlach, einer hochbegabten Frau mit musikalischen und schriftstellerischen Fähigkeiten. In Leipzig finden wir den jungen Kyber weniger in den Hörsälen, da ihn die Vorlesungen bald anöden, sondern in den Leipziger Künstlerkreisen, so auch im Hause des Sängers d’Andrade (Berühmtes Bild von Max Slevogt).

In den Jahren 1902 bis 1918 lebt Kyber in Berlin. 1904 Geburt der Tochter Leonie; eine Reihe von Büchern erscheinen, besonderes 1912 "Unter Tieren".

Im Jahre 1909 Heirat mit Elisabeth Boltho von Hohenbach, ebenfalls eine Baltin, aus dem Wenden-Walkschen-Kreise stammend. Lebhafte, kritische Aufmerksamkeit gegenüber grenzwissenschaftlich-esoterischen Phänomenen.

Begegnung mit der Anthroposophie Rudolf Steiners und mit bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten, so mit der Sopranistin Lilli Lehmann. In den ersten Berliner Jahren Reisen nach Dänemark und in die Niederlande; frühe Erzählungen in den "Nordischen Geschichten" behandeln dänische Stoffe wie auch sein Drama "Küstenfeuer".

Eine belastende Zäsur für die Kybers der Erste Weltkrieg. 1918 erscheint noch in Berlin die Rudolf Steiner gewidmete Gedichtesammlung "Genius Astri". Diese dritte Sammlung von Gedichten zeigt den gereiften und weltanschaulich anspruchsvollen Dichter: "Alle Tiere sind Gottes Geschöpfe", Bekenntnis zur Überlieferung vom Heiligen Gral, spirituelle und meditative Themen.

Kurzer Aufenthalt im Baltikum von Ende 1918 bis Mai/Juni 1919 mit Erlebnis der bolschewistischen Terrorherrschaft, künstlerische Tätigkeit unter schwierigsten Umständen und unter Lebensgefahr, gesundheitliche Schäden.

1919 Auflösung der Berliner Wohnung, Übersiedlung wohin? Es bestehen freundliche Beziehungen nach Süddeutschland und in die Schweiz.

Man entscheidet sich schließlich für Stuttgart mit der Möglichkeit beruflicher Tätigkeit als Verlagsmitarbeiter und als Theaterkritiker; enttäuscht von den "Stuttgarter Verhältnissen" in der Anthroposophischen Gesellschaft. In den schwierigen Stuttgarter Jahren bis 1923 erscheinen eine ganze Reihe von Büchern, so eine umfangreichere Sammlung seiner "Märchen". Freundschaft mit Margarethe von Wrangell.

1923 Übersiedlung nach Löwenstein zuerst alleine, dann kommt seine Frau Elisabeth, die sich 1922 von ihm scheiden ließ, nach. Auch die Tochter Leonie zieht nach Löwenstein und bleibt dort bis zu Ihrer Eheschließung.

Dank Einladungen von Freunden kommt Manfred Kyber zu einigen Ferienaufenthalten in der Schweiz. 1926 sollte es dort zu einer Begegnung mit Rainer Maria Rilke kommen, doch beide Dichter verstehen sich nicht. Frucht seiner "Schweizerzeit" ist die feinsinnige Tiergeschichte "Freundschaft", die am Zuger See spielt und auf sensible Weise von der Wiederverkörperung von Mensch und Tier spricht.

Die "Kybers" verbringen schließlich die letzten knapp zehn Lebensjahre des Dichters in anfangs materiell sehr bedrängten Verhältnissen in dem hübschen Bergstädtchen bei Heilbronn. Es erscheinen eine Reihe wundervoller Alterswerke, so "Die drei Lichter der kleinen Veronika. Der Roman einer Kinderseele in dieser und jener Welt".

Lebenslang fühlte sich der Dichter seiner baltischen Herkunft, seiner früheren Heimat verbunden.

Manfred Kyber verstarb nach einem Kuraufenthalt am 10. März 1933 in Löwenstein.

Zu seinem frühen Tod mag nicht nur die Schreckenszeit 1918/1919 in Riga und manche Hungerzeit beigetragen haben, sondern auch sein übermäßiges Rauchen – wohl das einzige Laster, das er hatte und dem er bis zuletzt frönte.

Auf dem nahen Waldfriedhof, neben dem Grab der "Seherin von Prevorst" (Berühmt geworden durch Justinus Kerners gleichnamiges Buch aus dem Jahre 1829) befindet sich seine Grabstätte, von der Stadt Löwenstein gepflegt.

Auch die Urnengräber von Elisabeth Kyber und Tochter Leoni (beide 1984 verstorben) befinden sich dort.

Im Löwensteiner Freihaus, einem stattlichen mittelalterlichen Fachwerkhaus, unterhält die Stadt das gern besuchte Manfred-Kyber-Museum. Die Löwensteiner Grundschule trägt den Namen des Dichters.

 

Manfred Kyber – ein anthroposophischer Dichter?

Ein einziges Buch von ihm enthält eine Widmung: Die 1918 in Berlin erschienene Sammlung seiner dort während des Ersten Weltkriegs geschriebenen Gedichte "Genius Astri" ist "Dr. Rudolf Steiner" gewidmet. Dies geschah nicht ohne Rücksprache mit Steiner, denn in einigen Briefen legte er ihm nach und nach die gedruckten Texte vor. Wir wissen nicht, wann Manfred Kyber erstmals in Berlin Rudolf Steiner hörte. Dies muss sehr früh gewesen sein, denn in Kybers Besitz befanden sich zwei maschinengeschriebene Vortragszyklen aus dem Jahre 1908, also noch aus Steiners theosophischer Zeit.

Zumindest während des Weltkriegs erfolgte zusammen mit seiner Frau Elisabeth, ebenfalls gegenüber spirituellen wie lebensreformerischen Gedanken höchst empfänglich, mindestens eine persönliche Begegnung mit dem Ehepaar Steiner. Das eine oder andere Gedicht aus "Genius Astri" könnte man als "gereimte Anthroposophie" bezeichnen. Das Ehepaar Kyber trat 1913 (Elisabeth) bzw. 1914 der Anthroposophischen Gesellschaft bei und nach Angaben aus dem Archiv des Goetheanums sollen sie das geblieben sein, ein Austritt wurde jedenfalls nicht bekannt.

Elisabeth Kyber berichtete noch im hohen Alter, dass sie in Berlin "persönliche Schülerin" von Steiner gewesen sei, seit 1926 war sie jedenfalls Mitglied der Klasse. In den Stuttgarter Jahren (1919 bis Spätsommer 1923) schrieb Kyber auch Beiträge für die Waldorf-Nachrichten.

In den diesen für Kyber gesundheitlich wie wirtschaftlich schwierigen Jahren klagt er in einem langen Brief an Rudolf Steiner über die "Stuttgarter Verhältnisse", besonders in der Dreigliederungsbewegung. Kybers Aussagen decken sich übrigens mit denen von Walter Kühne, dem ersten Leiter des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus, wie dieser sie in seiner Erinnerungsschrift "Die Stuttgarter Verhältnisse" im Verlag Freies Geistesleben veröffentlichte.

Manfred Kyber ließ allerdings in Briefen wie in seinen Büchern immer wieder durchblicken, dass er sich mehr an der Peripherie der Anthroposophischen Gesellschaft wirkend verstand und betonte eigene Standpunkte. So finden sich in einem seiner sog. Okkultismus-Vorträge (Stuttgart 1923) bei aller Anerkennung für Steiners Buch "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" doch auch vorsichtige kritische Anmerkungen.

Enttäuschend müssen für Kyber die Verhaltensweisen von Anthroposophen in Stuttgart gewesen sein. Eigene Wege ging Kyber in seinem Verständnis für Tiere, in seinem aktiven Tierschutz, auch in seiner Hinneigung zu östlichem Denken – 1921 erschien mit "Der Königsgaukler" ein "Indisches Märchen", in seiner letzten Sammlung von Gedichten finden wir ein langes mit dem Titel "Tibet", erstmals veröffentlicht 1922 oder 1924.

In Stuttgart freundschaftlicher Umgang mit der dortigen Zweigleiterin Toni Völker.

Der überraschend frühe Tod Rudolf Steiners im März 1925 muss Manfred Kyber sehr erschüttert haben.


Wer mit den Augen der Andacht geschaut,
wie die Seele der Erde Kristalle gebaut,
wer die Flamme im keimenden Keim gesehn,
im Leben den Tod,
Geburt im Vergehn – Wer in Menschen und Tieren den Bruder fand,
und im Bruder den Bruder und Gott erkannt,
der feiert am Tische des heiligen Gral
mit dem Heiland der Liebe das Abendmahl –
Er sucht und findet,
wie Gott es verhieß,
den Weg ins verlorene Paradies.
Aus "Genius Astri"

 

Der Dichter als Tierfreund

Im April 1880 erwarb der Vater Viktor das Rittergut Paltemal südöstlich von Riga gelegen wieder für die Familie. Manfred und sein um zwei Jahre älterer Bruder Wladimir wuchsen dadurch in einer idyllischen, naturnahen Umgebung auf. Die "Livländische Schweiz" nannte man die Landschaft, in der Paltemal (Lettisch "Paltmale") einst lag.

Die Mutter Olga stammte aus einer großbürgerlichen sächsischen Familie, ihr Vater war Johann Karl Bähr, Maler, Schriftsteller und zuletzt Akademieprofessor zu Dresden.

An Manfred fiel früh seine ungewöhnliche Tierliebe auf; seine damalige Kinderfrau sollte später liebenswerte anekdotische Begebenheiten überliefern. Seine erste Katze erhielt er mit vier, fünf Jahren, von ihr, einem Kater, wissen wir den Namen "Runz", von lettisch runcis. Allerdings sollte er in jungen Jahren mit seinem Bruder noch zur Jagd in die weiten lettischen Wälder ausreiten – ein "Vergnügen", das er allerdings noch in seinen baltischen Jahren aus innerer Überzeugung bald sein lassen sollte...

In den Berliner Jahren kam der Kater "Petz" zu familiärer Berühmtheit, eine "Katzenpersönlichkeit" aus Ostpreußen, die es zum "Geheimen Mausrat" bringen sollte und sogar "Katzenbriefe" schrieb, humorvolle Mitteilungen aus der Verlobungszeit und noch in den späteren Berliner Jahren.

1912 überlieferte Frau Kyber eine Äußerung von ihm, dass der Dichter seine Lebensaufgabe darin sieht, den "Kelch" (des Grales) den Tieren weiter zu reichen, ein bis dahin noch nicht formuliertes Thema in der Literatur.

In Berlin auch aktive Mitarbeit im Tierschutz und erschreckende Einblicke in den mitleidlosen Umgang mit der Kreatur. Leidenschaftlicher Gegner der Vivisektion. (Heute heißt das "wissenschaftlicher Tierversuch" und ist ebenso grausam und meist nutzlos wie früher.) Für seine Tierschutzarbeit sollte später der einzige ihm zuteil gewordene Preis verliehen werden (1930).

Aus seinem leidvollen Wissen um die dunkle Seite der Mensch-Tier-Beziehung heraus entstand z. B. die erschütternde Tiergeschichte "Nachruhm" (1926 in Buchform erschienen); sie wird in Tierschutzkreisen oft zitiert, ohne dass man viel über ihren Urheber weiß. Gerade diese Geschichte verbindet scharfe Beobachtung des Missbrauchs an Tieren (Tierversuche) mit einer Art Schau nachtodlichen Schicksals von Mensch und Tier.

Sein erstes Sachbuch "Tierschutz und Kultur - eine einzige Anklage aller in Deutschland beobachten oder ihm bekannten Verfehlungen den Tieren gegenüber (1925).

In Löwenstein lernen wir schließlich eine dritte Katze mit Namen kennen, die oft von Frau Kyber (die dort als Fotografin arbeitete) abgelichtete "Muffi", doch die Kybers betreuten oder hielten sonst noch andere Katzen.

Seit etwa 1909/1910 waren es ausschließlich die Katzen, die Fleisch zur Nahrung erhielten, die dann vegetarisch lebenden Kybers enthielten sich dieser Kostform.

Selbst in den ersten Löwensteiner Hungerjahren, also ab 1923, verzichtete Manfred Kyber nicht auf die winterlichen "Vogelrestaurants" auf dem Dach der dortigen Wohnung.

Verständlich, dass seine städtische und später, in Löwenstein, bäuerliche und kleinstädtische Umgebung für solche "Spinnereien" wenig Verständnis aufbrachte, lediglich sein verzweigter, kultivierter Freundeskreis verstand dies oder lebte auf ähnliche Weise.

Kyber muss überhaupt die Tiere mit unendlicher Geduld und Liebe beobachtet haben, dass er seine wundervollen Tiergeschichten danach gestalten konnte, wie sie noch heute gelesen und geschätzt werden.

 

Nachwirkung bis heute

Manfred Kyber hinterließ mit Gedichten, Erzählungen, Tiergeschichten, Märchen, dramatischen Arbeiten, Theaterkritiken, einigen Vorträgen und programmatischen Schriften (Sachbüchern) ein äußerlich vielleicht schmales, doch inhaltlich reiches Werk.

Es ist heute noch erstaunlich aktuell und wert, wieder in seiner Gänze neu entdeckt, gelesen, diskutiert Märchen nebst dem "Königsgaukler" seit Jahren vom Rowohlt-Verlag herausgegeben werden, so kennt "man" heute Kyber außerhalb "seiner Kreise" (Ältere gebildete Leser, Tierschützer, anthroposophische und ähnliche Kreise) doch recht wenig.

Seine bekannten Bücher gehören – unverdienterweise – noch nicht zum Kanon deutschsprachiger Literatur, obgleich sie schon zu Lebzeiten teilweise hohe Auflagen erlebten und eine Reihe von Übersetzungen erfuhren.

Der auch in Lettland lebende deutschbaltische Verleger Harro von Hirschheydt ließ in den letzten Jahren eine Reihe von Tiergeschichten und Märchen ins Lettische übersetzen.

Dann gab Rowohlt 2003 die Texte des Manfred Kyber Buches unter dem Titel "Das patentierte Krokodil" auch als Taschenbuch heraus. In älteren Anthologien finden sich immer wieder einige seiner Tiergeschichten, so auch in einer von dem bekannten Tierjournalisten und Mäzen Heinz Sielmann herausgegebenen Anthologie von Tiergeschichten. Einzelne davon werden heute gern rezitiert (so vom bekannten Rezitator Walter Schauss aus Stuttgart), finden sich auf Tonträgern, zuletzt auf einer CD von Helger Pflug aus Oranienburg und in einer Anthologie des Stuttgarter Verlags Das Beste.

 

Eine neue literarische Gesellschaft

So gilt es, Leben und Werk dieses erstaunlich modernen Deutschbalten aus Riga über Löwenstein hinaus bekannter zu machen und wieder weiteren Kreisen zu erschließen.

Deshalb haben Kyber-Freunde 2002 in Stuttgart die Manfred-Kyber-Gesellschaft begründet.

Mit Lesungen, Vorträgen und Veröffentlichungen soll das Gedenken an diese erstaunliche Dichterpersönlichkeit lebendig erhalten bleiben und weiter vermittelt werden.

In Vorträgen wurde auch in Lettland und in Norddeutschland (Ostsee-Akademie in Lübeck-Travemünde) seiner gedacht.

Im Jahre 2005 gedenkt man seines 125. Geburtstages.

Sein Todestag jährt sich 2008 zum 75. Male.

Doch unabhängig von runden Jahresdaten soll Manfred Kyber nach Jahren des Beinahe-Vergessenseins seinen ihm gebührenden Platz in der deutschen Literatur einnehmen. Sicher nicht alle, doch einige seiner Werke sind es wert, zum Kanon der deutschen Literatur zu gehören.

 

Auskünfte zur Manfred-Kyber-Gesellschaft e.V. und zu Manfred Kyber gibt gern die Geschäftsstelle der Gesellschaft:

Peter Götz
Giebelstraße 55
70499 Stuttgart
Tel. /Fax +49 0/711 8 06 04 22

 

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